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Bäckerei in Würzburg: Handwerk erkennen und Auswahl

Ob eine Bäckerei handwerklich arbeitet, erkennen Sie an drei Dingen: an der Zusammensetzung des Sortiments, an der Auskunftsfähigkeit des Personals und daran, wie sich das Brot über den Tag und die Tage danach verhält. Wo Roggen und Dinkel eine echte Rolle spielen, wo Teige Zeit bekommen und wo man Ihnen die Mehltype nennen kann, steht in aller Regel ein Betrieb dahinter, der selbst backt. Das Gegenteil verrät sich schneller, als die Auslage vermuten lässt.

Getreide aus der Region: warum Roggen und Dinkel hier Thema sind

Das fruchtbare, kalkgeprägte Umland und ein vergleichsweise warmer, trockener Landstrich haben den Ackerbau rund um das Maintal seit jeher mit geprägt — neben dem Weinbau an den Hängen ist Getreide die zweite große Kultur der Gegend. Für die Backstube heißt das: Roggen und Dinkel sind hier keine Modeerscheinung, sondern gewachsene Rohstoffe. Roggen bringt Aroma, Feuchte und Haltbarkeit ins Brot, verlangt aber Sauerteig, weil er ohne Säuerung nicht ordentlich aufgeht. Dinkel liefert einen nussigen, milden Ton, ist aber empfindlicher in der Teigführung und verzeiht Fehler schlechter als Weizen. Ein Betrieb, der beides regelmäßig im Sortiment führt und dazu erklären kann, warum ein Roggenmischbrot anders schmeckt als ein Weizenmischbrot, hat sein Handwerk verstanden. Fragen Sie ruhig nach der Herkunft des Mehls — viele Betriebe arbeiten mit Mühlen aus der weiteren Umgebung und sagen das gern, andere weichen aus. Auch die Antwort ist eine Information.

Woran Sie erkennen, dass vor Ort gebacken wird

Zwischen einer Backstube und einer reinen Verkaufsstelle liegen Welten, äußerlich sind sie aber oft schwer zu unterscheiden. Diese Merkmale helfen:

  • Auskunft: Kann Ihnen jemand sagen, welches Mehl, welche Führung und welcher Sauerteig hinter einem Brot stehen — ohne erst nachschlagen zu müssen?
  • Sortimentsbreite: Ein sehr großes, tagesgleich vollständiges Angebot bis zum Abend ist eher ein Zeichen für vorgefertigte Ware als für Handwerk.
  • Unregelmäßigkeit: Handgeformte Laibe sehen nicht identisch aus. Perfekte Gleichheit spricht für die Maschine.
  • Tagesablauf: Wenn bestimmte Brote nur an bestimmten Tagen oder zu bestimmten Zeiten da sind, wird geplant und gebacken, nicht aufgetaut.
  • Geruch: Eine arbeitende Backstube riecht nach Teig und Röstaromen, nicht nur nach Kaffee.

Aufbackstellen sind nicht per se schlecht — sie haben ihren Platz und ihre Kundschaft. Sie sollten nur wissen, was Sie kaufen, und den Unterschied nicht mit dem Preis verwechseln.

Was Zeit im Teig bewirkt

Der größte Unterschied zwischen handwerklicher und industrieller Fertigung ist nicht die Zutatenliste, sondern die Uhr. Lange, kühle Teigführung lässt Aromen entstehen, macht die Krume elastisch und das Brot bekömmlicher. Kurze Führung mit hoher Hefemenge und Backmitteln liefert schnell ein ansehnliches Ergebnis, das aber flacher schmeckt und rascher altbacken wird. Prüfen kann man das zu Hause: Ein gut geführtes Brot mit Roggenanteil bleibt mehrere Tage schnittfest und schmeckt am zweiten Tag oft besser als am ersten. Ein Brot, das über Nacht trocken und krümelig wird, hatte vermutlich zu wenig Zeit. Auch die Kruste ist ein Hinweis: Sie soll kräftig ausgebacken sein und beim Schneiden hörbar splittern, statt weich nachzugeben.

Frische ist kein Tageszeitpunkt

Frisch heißt nicht warm. Ein Brot, das eben aus dem Ofen kommt, ist noch nicht fertig — es muss auskühlen, sonst leidet die Krume beim Schneiden. Kleingebäck dagegen lebt tatsächlich von der Stunde; wer Brötchen am späten Nachmittag kauft, sollte keine Wunder erwarten. Sinnvoll ist es, den eigenen Bedarf am Rhythmus des Betriebs auszurichten statt umgekehrt: Fragen Sie, wann welches Brot in den Verkauf kommt, und richten Sie den Einkauf danach ein. Für die Lagerung zu Hause gilt: ein Brotkasten oder ein Leinenbeutel statt Plastik, Anschnittfläche nach unten, kein Kühlschrank. Wer selten einkauft, friert portionsweise ein — das erhält mehr als jede Tüte.

Die Auswahl im Alltag treffen

Sinnvoll ist ein einfacher Test: Kaufen Sie in mehreren Betrieben dasselbe Brot — ein Roggenmischbrot etwa — und vergleichen Sie am zweiten Tag. Der Unterschied ist deutlicher, als die frische Auslage vermuten lässt. Wenn Sie auf Zutaten achten müssen, verlangen Sie die vollständige Angabe; Betriebe, die selbst backen, können sie liefern. Und wenn ein Haus Ihnen die Frage nach dem Sauerteig freundlich, ausführlich und ohne Verlegenheit beantwortet, haben Sie meist schon gefunden, wonach Sie gesucht haben.

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